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Geschichte der Prignitzer Landwirtschaft


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Wolfram Hennies
Geschichte der Prignitzer Landwirtschaft

Mitte des 19. Jahrhunderts führte die Industrialisierung zu einer gravierenden Umgestaltung des gesamten Lebens der Menschen. Dieser Prozess prägte auch die Landwirtschaft und das Dorf. Die mühevolle Arbeit mit Handgeräten wurde nach und nach ersetzt durch den Einsatz von Maschinen. Am Beispiel der Prignitz werden in diesem Band alte Arbeitsabläufe und Gerätschaften der Landwirtschaft vorgestellt und detailliert beschrieben, die heute nur noch wenigen bekannt sind. Mit der immer weniger werdenden Nutzung von Handarbeitsgeräten in der Gegenwart verschwinden auch die damit zusammenhängenden Arbeitstechniken und Utensilien. Die vorliegende Arbeit will mit diesem Buch zu ihrer Erforschung und Fixierung in Wort und Bild beitragen.
Begeben Sie sich auf eine Reise durch die spannende Agrargeschichte der Region!

1. Auflage 2020, ca. 400 Seiten, 17,0 x 24,0 cm, mit zahlreichen Abbildungen, gebunden
Euro 29,80
978-3-910134-99-7

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Besprechungen:

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Werner Lehfeldt (Universität Göttingen):

Hennies, Wolfram: Geschichte der Prignitzer Landwirtschaft, Berlin (Die Mark Brandenburg. Verlag für Regional- und Zeitgeschichte) 2020, 425 S., ISBN 978-3-910134-99-7

Das vorliegende Buch ist eine breit angelegte, eine Vielzahl von Aspekten des bäuerlichen Lebens berücksichtigende Darstellung der Prignitzer Landwirtschaft seit deren Anfängen bis in die Gegenwart. Der Autor löst die anspruchsvolle Aufgabe, die er sich gestellt hat, wie folgt: Im ersten Teil, der bis Seite 88 reicht, bietet er zunächst einen „Abriss der Landwirtschaftsgeschichte in Brandenburg und der Prignitz“. Dieses Kapitel setzt ein mit der Besiedelung Brandenburgs durch Deutsche und macht den Leser bekannt mit grundlegenden, das Leben der dörflichen Bevölkerung bestimmenden Faktoren und deren Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte. Dazu gehören etwa die Art der Aufteilung des für den Ackerbau nutzbaren Bodens mit dem Übergang von der ursprünglichen Gemengelage und der Dreifelderwirtschaft bis zu deren Beseitigung im Zusammenhang mit den Stein-Hardenbergschen Reformen, die Entwicklung der verschiedenen Hausformen, die Dienstpflicht der untertänigen Bauern auf dem Land des Adels und deren Aufhebung gleichfalls im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformen, der Übergang vom ursprünglichen so gut wie ausnahmslosen Getreideanbau zur Ausbreitung des Kartoffelanbaus nach dem Hungerwinter von 1770/71, der dazu führte, dass Brandenburg im 19. Jahrhundert das größte Kartoffelanbaugebiet Deutschlands wurde, die Entwicklung der dörflichen Bevölkerungsgliederung hin zu einer Dreiklassenstruktur – Gutsbesitzer, Bauern, Landarbeiter – als Ergebnis der Agrarreformen. Selbstverständlich erörtert der Verfasser immer wieder die Folgen einschneidender historischer Ereignisse wie etwa des Dreißigjährigen Krieges, der in der Mark zu einem Bevölkerungsschwund von etwa 50% führte, und des Zweiten Weltkriegs, in dessen Folge die bäuerliche Einzelwirtschaft durch landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften abgelöst wurde, bis zur Umstrukturierung der Landwirtschaft nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Besonderes Augenmerk schenkt der Autor der im 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung der Landwirtschaft. Außer auf die Darstellung der Ablösung der traditionellen, vorindustriellen Geräte zur Bodenbearbeitung und zur Ernte und Weiterverarbeitung des Getreides und anderer Feldfrüchte geht der Verfasser auf die sozialen Folgewirkungen der Industrialisierung ein wie etwa auf die Herausbildung einer Lohnarbeiterschicht.

         Ganz im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Industrialisierung sodann im 2. Kapitel. Wie dessen Überschrift „Industrialisierung ohne Industrie“ bereits andeutet, ist es im Zuge der Industrialisierung in der Prignitz nicht zur Entstehung großer Industrieanlagen gekommen, sondern sind nur wenige Betriebe entstanden, in denen ländliche Rohstoffe und Produkte verarbeitet wurden, wie etwa Brennereien, eine Stärkefabrik, Molkereien, Dampfsägewerke u.a. Gravierend waren indessen die Auswirkungen der sich in anderen Gegenden vollziehenden Industrialisierung auf das dörfliche Leben. Eben diesen Auswirkungen ist das 2. Kapitel gewidmet. Hier mögen einige Stichworte genügen: Abwanderung von Arbeitskräften in industrielle Ballungsgebiete und als deren Folge Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften, der seinerseits durch den Einsatz v.a. polnischer und russischer Wanderarbeiter kompensiert wurde; Bau von Eisenbahnlinien und im Zusammenhang damit Entstehung neuer Berufe; Anlage von Chausseen, die vielen Menschen Arbeit verschaffte; Auswirkungen der durch Eisenbahn und Chausseen bewirkten Umwälzung des Transportwesens wie etwa Einfuhr von Düngemitteln aus Südamerika und Futtermitteln aus Nordamerika bzw. Erhöhung des Exports landwirtschaftlicher Produkte in weit entfernte Gegenden; Zunahme der Verwendung von Industrieerzeugnissen auf dem Lande und im Zusammenhang damit Mechanisierung der Landwirtschaft und deren soziale Folgen; Veränderungen im Hausbau durch Verwendung neuer, industriell bearbeiteter Baustoffe wie etwa Ziegel- und Dachsteine, Zementputz und Kalkmörtel; Veränderungen der häuslichen Wohnwelt etwa durch Einrichtung geschlossener Herde bzw. Kochmaschinen, Ersetzung der traditionellen, aus selbstgewebten Leinen- und Wollstoffen gefertigten Kleidung durch Kleidung „von der Stange“ aus städtischen Warenhäusern; insgesamt Rückgang der Selbstversorgung der Landbevölkerung; Ausbau des Schul- und des Pressewesens usw. „Am Ende des 19. Jahrhunderts zeigte sich das Dorf innerhalb von nur zwei Menschenaltern völlig verändert und „modern“.“

         Den weitaus größten Teil seines Buches, ca. 320 Seiten, widmet der Autor sodann der detaillierten Erörterung einer Reihe von Einzelaspekten, die in ihrer Gesamtschau dem Leser einen einzigartigen Einblick in die Wirklichkeit des dörflichen, des bäuerlichen Lebens in alten Zeiten bis hin zur Gegenwart vermitteln. Auch hier müssen einige Stichpunkte und Beispiele genügen: Bodenverbesserung und Naturdünger: Drainage, Mergel, Mist, Jauche, Waldstreu, Plaggen, Kunstdünger, Steinelesen; Handarbeitsgeräte zur Bearbeitung des Bodens: Spaten, Pflug, Haken, Egge, Dreschreißer, Walze: Hackfruchtanbau: Kartoffel, Runkelrübe, Zuckerrübe; Flachsverarbeitung mit Hilfe solche Geräte wie Räpe, Backofen, Flachsbrecher (Brake), Schwingbock, Hechel, Spinnrad, Haspel, Garnwinde und Webstuhl, ferner Bleichen und Blaudruck, mit einem Exkurs über das einst kräftezehrende Wäschewaschen. Wie es nicht zuletzt dieses Kapitel besonders gut veranschaulicht, wird der der Leser immer wieder mit einer verschwundenen, nunmehr fremdartig, ja bisweilen exotisch anmutenden Lebenswelt konfrontiert. Welcher heutige Leser vermag wohl ohne Belehrung mit solchen Gerätebezeichnungen wie „Brake“, „Schwingbock“, „Hechel“, „Garnwinde“ eine deutliche Vorstellung verknüpfen? Mit den so bezeichneten Geräten sind auch deren Bezeichnungen weitestgehend aus unserem Sprachschatz verschwunden. Ähnliche Verfremdungserfahrungen bieten dem Leser praktisch sämtliche Kapitel des Hauptteils des Buches, und gerade damit hat sich der Verfasser ein nicht gering zu schätzendes Verdienst erworben.

         Betrachten wir jetzt die weiteren Kapitel: Die Ernte und ihre Geräte in der Westprignitz mit einem Exkurs über das Stroh als ein ehemals vielseitig verwendetes Material;  Sensendengeln; Dreschen des Getreides zunächst mit dem Dreschflegel über dessen Ablösung bis hin zur Dreschmaschine; Rinderzucht und Milchverarbeitung; Schweinezucht und Schlachten; Alte Holtznutzung: Brennholz, Körbe, Holzpantinen, Reisigbesen; Landwirtschaftliche Bildung in der Prignitz zur Kaiserzeit. 

         Das Buch von Walter Hennies ermöglicht es dem Leser, einen detaillierten Einblick zu gewinnen in die Lebens- und die Arbeitswelt der bäuerlichen Bevölkerung der Prignitz in den vergangenen Jahrhunderten, sich eine anschauliche Vorstellung zu verschaffen von der schweren bäuerlichen Arbeit und von dem Bemühen, diese mühevolle Arbeit durch technische Gerätschaften zu erleichtern und zu verbessern, von den oftmals tiefgreifenden sozialen und ökonomischen Folgen der zunehmenden Mechanisierung der landwirtschaftlichen Arbeit. Eine solche Lektüre ist gerade heutezutage sehr zu empfehlen, in einer Zeit, da die meisten Menschen ihre Lebensmittel im Supermarkt einkaufen und kaum eine Vorstellung davon haben, wie diese angebaut, hergestellt und verarbeitet worden sind, bis sie in den Regalen gestapelt wurden, aus denen wir sie ohne viel Nachdenken in den Einkaufswagen packen.  

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